„Einmal im Pfadi-Lager....“
„Hab ich meine Socken eingepackt?“ Na ja, jetzt ist es sowieso schon zu spät. Wenn man was vergessen hat, muss man eben improvisieren. Also schlichten wir unsere Rücksäcke in das bis zum Rand überfüllte Materialauto, oder – wie es öfter der Fall ist – müssen wir selbst aufsatteln, weil eben doch kein Platz mehr da ist. Dann geht’s los! Per Zug, Bus oder Privatautos in Richtung Lagerplatz.
Dort angekommen ist das Chaos perfekt. Die Zelte müssen aufgebaut werden. Während der Eine voller Tatendrang am liebsten alle Zelte gleichzeitig aufbauen würde, versucht der Andere sich wie Jeannie mit der Wunderlampe in Luft auf zu lösen. Meist vergeblich, denn jetzt müssen alle mit anpacken. Stehen alle Zelte zum Einzug bereit und hat jeder einen seiner Vorstellung entsprechenden Schlafplatz gefunden, werden diese mit Rücksäcken und wehenden Fahnen gestürmt, die Isomatten ausgerollt und die Schlafsäcke ausgepackt.
Spätestens jetzt merken wir – „ups“ – da knurrt was und es ist nicht Bruno der Bär. Doch bevor es leckeren Lagerschmaus gibt brauchen wir erst eine Küche. Diese besteht vorerst aus einem Dreibein um Töpfe aufzuhängen und einem Lagerfeuer.
„Also, wer holt Feuerholz?“
„Hat jemand das Salz gesehen?“
„Ich mag aber keine Erbsen!“
Während viele schon panisch in ihren Rücksäcken nach ihrem Geschirr suchen, stellen wir erneut fest wie lange es dauert, bis unser Nudelwasser über dem Feuer endlich kocht. Doch irgendwann sind auch die Nudeln fertig und die Mägen voll. Das Spülteam kann zum Kampf mit den Töpfen ausrücken. Nun folgt meist noch eine kleine Einweisung in die örtlichen Gegebenheiten und vielleicht noch ein paar Lageregeln mit jeder Menge Fallbeispielen .
„Was ist wenn ich in der Nacht aufs Klo muss und meine Schuhe nicht finde?“.
Wenn noch Zeit ist, dann gibt’s noch eine kleine Runde am Lagerfeuer bevor wir uns dann kaputt aber glücklich in unsere Schlafsäcke verkriechen.
Der nächste Morgen. Ein verschlafener Blick unter der Zeltplane hindurch. Die Sonne strahlt in unser Gesicht. So wünschen wir es uns zumindest... Also los, Aufstehen, Anziehen, Frühstück machen. Nach dem sich alle auf das Frühstücksbuffet mit jeder Menge Nutella und Cornflakes gestürzt haben, geht’s noch schnell ab zum Zähneputzen und schon geht’s los mit dem Programm.
Während in Georgslager und Drachenlager unsere Gastgeber uns mit einem themenbezogene Postenlauf mit Themen wie Märchenwald oder Zeitreise beschäftigen, sind wir bei den Stammeslagern für unser Programm selbst verantwortlich. Den ersten Lagertag eines Sommerlagers verbringen wir mit dem Errrichten von Lagerbauten. Denn auch im Zeltlager möchte man auf bestimmte Annehmlichkeiten nicht verzichten. Wir brauchen ein Regal für unsere Lebensmittel, eine Hochfeuerstelle zum Kochen, einen Tisch und Bänke, und vor allem einen Bannermast. Der sollte nach Möglichkeit nicht nur gut aussehen, sondern auch noch „Überfallersicher“ sein, falls sich befreundete Stämme zu einem nächtlichen Besuch mit Bannerklauen entschließen.
Unser sonstiges Programm? Das ist abhängig von der Lokalität und dem Wettergott. Ausflüge in die nähere Umgebung gehören zu jedem Sommerlager. Wandern, Baden im Schwimmbad, im Bach, Meer oder See sowie Klettern und Minigolfen. Aber auch ein bisschen Kultur wie beispielsweise Stadtbesichtigungen oder auch mal ein Museumsbesuch bieten willkommene Abwechslung. Doch auch am Lagerplatz gibt´s jede Menge mögliche Aktivitäten, wie kleine Postenläufe, Fußballtuniere und Gemeinschaftsspiele.
Und so verfliegen ereignisreiche Tage, hoffentlich ohne unvorhersehbare Zwischenereignisse, dafür aber mit jeder Menge Teamwork und vor allem viel Spaß. Highlight fast eines jeden Lagers ist das „Versprechen“, das diejenigen am letzten Lagerabend ablegen, die in eine neue Alterstufe erreichen und dafür ein neues Halstuch „verliehen“ bekommen.
Viel zu schnell ist der Tag der Abreise näher gekommen. Wir packen unsere Rücksäcke und bauen unsere Zelte ab - die Müllkette darf auf keine Fall vergessen werden - und kehren zurück nach Hause, in die Zivilisation mit ihren wunderbaren Annehmlichkeiten, wie Strom, Fernsehen und heißem Wasser.
Und im Winterlager?
Da ist es uns zu kalt im Zelt. Wir beziehen eine gemütliche Hütte im Schnee. So manchen eingefleischten Pfadfinder kann das schon als Luxus erscheinen. Man drückt auf den Schalter und das Licht geht an, ohne Bastlerei an der Petroleumlampe oder Petromax. Und das Kochen geht mit einem Herd auch leicht von der Hand und nachts gibt´s bequeme Betten. Das Tagesprogramm setzt sich aus vielfältigen Aktivität sowohl drinnen als auch draußen zusammen. Hier stehen Programme wie die Winterolympiade oder Schneeschuhlaufen im Mittelpunkt.
Doch eigentlich ist es nicht wirklich was oder wie wir es machen. Es ist nicht wichtig ob es stürmt, schneit, die Sonne scheint oder es eine Woche lang durchregnet. Was wichtig ist, ist dass wir das, was wir tun gemeinsam tun. Letztlich entsteht daraus der Spaß und die Freude am Lagerleben, die dafür sorgen, dass wir, egal wie fertig und kaputt wir wieder zu Hause ankommen, immer wieder sagen werden: „Schön wars!“ Denn genau das ist der Grund, warum wir einfach nicht genug davon bekommen können…
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